Vom Schrauben-Weltmarktführer zur Elektronik-Schmiede – Würth Elektronik zwischen Tradition und KI

1. Stammdaten & Basisinformationen

Firmenname: Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG
Gründungsjahr: 1971, gegründet von Reinhold Würth im baden-württembergischen Niedernhall
Hauptsitz: Max-Eyth-Str. 1, 74638 Waldenburg, Baden-Württemberg
Branche: Hersteller von elektronischen und elektromechanischen Bauelementen für die Elektronikindustrie
Konzernmutter: Würth-Gruppe (Weltmarktführer für Montage- und Befestigungstechnik)
Rechtsform: GmbH & Co. KG, im Familienbesitz
Website: we-online.com
Würth Elektronik Gruppe
Würth Elektronik Intelligent Power & Control Systems: Einpresstechnik in der Produktion

Gründer & Geschichte

Wer "Würth" hört, denkt zuerst an Schrauben und den Handwerker-Vertreter, der mit dem Koffer an der Tür klingelt. Das greift zu kurz. Den Grundstein für Würth Elektronik legte Reinhold Würth bereits 1971 – als eigenständiges Standbein neben dem klassischen Befestigungstechnik-Geschäft der Würth-Gruppe.

Aus kleinen Anfängen wurde ein europäischer Schwergewicht der Elektronikbranche: Im Jahr 2000 startete Würth Elektronik mit 660 Mitarbeitenden und rund 188 Millionen DM Jahresumsatz ins neue Jahrtausend. Nur zwei Jahre später, 2002, wurde aus der bisherigen Sparte die heutige eigenständige Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG mit Sitz in Waldenburg. Seither ging es kontinuierlich bergauf: 2018 beschäftigte das Unternehmen bereits 8.300 Mitarbeitende bei 848 Millionen Euro Umsatz.

Vom Acht-Personen-Team, das in den 1980er-Jahren zunächst Backplanes für die Telekommunikationsbranche fertigte, zum global tätigen Elektronik-Konzern – eine Erfolgsgeschichte im Schatten der bekannteren Schrauben-Marke.

2. Kontakt & Führung

Website: we-online.com
Standorte: Waldenburg (Hauptsitz) | weltweit 23 Produktionsstandorte

3. Was macht Würth Elektronik eigentlich?

Würth Elektronik entwickelt, fertigt und vertreibt aktive, passive und elektromechanische Bauelemente für die Elektroindustrie – also die kleinen, meist unsichtbaren Bausteine, ohne die kein modernes elektronisches Gerät funktioniert: Leiterplatten, Induktivitäten, EMV-Komponenten, Stromversorgungsmodule, HF-Bauteile. Das Unternehmen ist in 38 Ländern mit Direktvertrieb aktiv und zählt zu den größten europäischen Herstellern passiver Bauelemente.

KI bei Würth Elektronik – mehr als ein Schlagwort

Genau hier wird es für diesen Blog interessant: Würth Elektronik positioniert sich aktuell gezielt als Partner für die Edge-AI-Entwicklung – also für KI, die direkt auf kleinen, eingebetteten Geräten läuft (ein Thema, das hier im Blog erst kürzlich beim Rückblick auf frühe Embedded Systems eine Rolle spielte).

Konkret zeigt sich das an mehreren Stellen: Zur Messe embedded world 2026 gaben Würth Elektronik und der Embedded-Systeme-Entwickler Grinn ihre Zusammenarbeit bekannt – als erstes gemeinsames Produkt der Einplatinencomputer "Grinn GenioBoard – Edge AI SBC", ab sofort über Würth Elektronik erhältlich. Damit positioniert sich Würth Elektronik als Partner für Produktentwicklungen im Bereich Edge-AI, inklusive Beratung zu EMV, Temperaturmanagement, Sensoren, Funk-Kommunikation, Stromversorgung und Cybersecurity.

Auch auf europäischer Forschungsebene ist das Unternehmen aktiv: Im EU-Projekt "8ra" entwickelt Würth Elektronik eine skalierbare Edge-Cloud-Infrastruktur für industrielle Künstliche Intelligenz, um Fertigungsprozesse automatisiert und datenschutzkonform zu verbessern.

Das Thema beschränkt sich nicht auf die Elektronik-Sparte: Der gesamte Würth-Konzern setzt verstärkt auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, um vor allem den Außendienstmitarbeitern den Arbeitsalltag zu erleichtern. Ein besonders ungewöhnliches Beispiel kommt aus Spanien: Telefónica und die spanische Würth-Tochter entwickelten ein Innovationsprojekt, das Quantencomputing und KI im Logistikzentrum in Agoncillo kombiniert – durch optimierte Versandverpackungen konnte dabei auch das Transportvolumen in den Speditionen gesenkt werden. Ergänzend arbeitet die konzerneigene Würth IT an einem KI-gestützten IT-Ökosystem für die gesamte Unternehmensgruppe.

Und selbst die Personalstrategie reagiert auf den KI-Wandel: Viktoria Zimmer, Global Head of People & Culture bei Würth Elektronik eiSos, betont, dass KI-Kompetenz neben Fachwissen in Leistungselektronik zur entscheidenden Voraussetzung für widerstandsfähige Ingenieurkarrieren wird: wofür das Unternehmen inzwischen ein eigenes Weiterbildungsangebot names Elektor Academy Pro aufgebaut hat.

Auch die Würth-Gruppe insgesamt setzt auf KI

Das Thema beschränkt sich nicht auf die Elektronik-Sparte: Der gesamte Würth-Konzern setzt verstärkt auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, um vor allem den Außendienstmitarbeitern den Arbeitsalltag zu erleichtern. Ein besonders ungewöhnliches Beispiel kommt aus Spanien: Telefónica und die spanische Würth-Tochter entwickelten ein Innovationsprojekt, das Quantencomputing und KI im Logistikzentrum in Agoncillo kombiniert – durch optimierte Versandverpackungen konnte dabei auch das Transportvolumen in den Speditionen gesenkt werden. Ergänzend arbeitet die konzerneigene Würth IT an einem KI-gestützten IT-Ökosystem für die gesamte Unternehmensgruppe.

Alleinstellungsmerkmale (USP)

  • Doppelte Identität: Weltbekannte Handwerker-Marke mit einer im Hintergrund hochspezialisierten Elektronik-Sparte
  • Edge-AI-Positionierung: Konkrete Produkte (Edge AI SBC) statt reiner KI-Ankündigungen
  • Forschungsbeteiligung: Aktive Rolle in EU-geförderten KI-Infrastrukturprojekten
  • Regionale Verwurzelung: Wie Ziehl-Abegg und VARTA ein weiteres Hohenloher/Baden-Württembergisches Unternehmen mit globaler Reichweite
  • Familienunternehmen: Teil der privat gehaltenen Würth-Gruppe, keine Quartalsberichte an der Börse

4. Kennzahlen

1,06 Mrd. €
Umsatz 2025
7.300
Mitarbeitende weltweit
23
Produktionsstandorte
38
Länder mit Direktvertrieb

Die Würth Elektronik Unternehmensgruppe beschäftigt weltweit rund 7.300 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 1,06 Milliarden Euro, verteilt auf drei Geschäftsbereiche und 23 Produktionsstandorte weltweit. Damit zählt die Elektronik-Sparte zu den erfolgreichsten Gesellschaften innerhalb der gesamten Würth-Gruppe.

Bedeutung für die Region

Würth Elektronik reiht sich damit in eine bemerkenswerte Häufung von Technologie-Schwergewichten im Hohenlohekreis ein – zusammen mit Ziehl-Abegg aus Künzelsau bildet die Region ein kleines, aber technologisch überraschend gewichtiges Cluster, das inzwischen auch im KI-Umfeld mitspielt.