Ein halbes Jahr später: ehrliche Zwischenbilanz

Vor rund einem halben Jahr habe ich hier beschrieben, warum die großen Tech-Konzerne enormen Einfluss auf unser digitales Leben haben – und warum der Weg zur digitalen Souveränität zwar nicht einfach und nicht kostenlos ist, aber lohnenswert. Zeit für eine ehrliche Zwischenbilanz: Was hat sich seitdem tatsächlich getan?

Kreuzung der digitalen Souveränität
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📦 Amazon – fast geschafft, aber nicht ganz

Ich muss zugeben: Ab und zu habe ich doch bei Amazon gekauft, weil es schlicht der beste Katalog für so ziemlich alles ist, was man braucht. Ganz ehrlich zu bleiben gehört für mich dazu, auch wenn es nicht zur reinen Lehre passt. Ansonsten bleibt es aber, wie ich schon sagte: sehr einfach umsetzbar – einfach nichts kaufen und keine Geräte anschaffen. Status: weiterhin weitgehend unabhängig, mit gelegentlichen, bewussten Ausnahmen.

🔍 Google – die größte Herausforderung, mit echten Fortschritten

Hier hat sich tatsächlich einiges bewegt. Ich arbeite inzwischen auf einem Linux-Notebook mit Debian 13, als Browser nutze ich LibreWolf (eine auf Firefox basierende, datenschutzfreundlichere Variante), als Standardsuchmaschine DuckDuckGo. Für KI-gestützte Aufgaben setze ich inzwischen auf Mistral, Claude und gelegentlich DeepSeek – statt reflexhaft bei Google-Diensten zu landen.

Die Kurzformel für die neue Software-Basis: Debian 13, DuckDuckGo, LibreWolf, Mistral, Claude, DeepSeek.

Das größte ungelöste Problem bleibt aber genau das, was ich schon vor einem halben Jahr als größte Hürde benannt hatte: die vielen Passwörter. Ein erheblicher Teil ist nach wie vor im Google-Passwortmanager (bzw. darüber in Chrome) gespeichert – da bin ich noch lange nicht durch. In KeePass ist inzwischen vielleicht ein Drittel meiner tatsächlich genutzten Passwörter untergebracht, der Rest wartet noch auf die Migration. Über das Passwort-Problem selbst werde ich demnächst einen eigenen, ausführlicheren Artikel schreiben – das Thema verdient mehr Platz, als hier reinpasst.

Bei der E-Mail bin ich inzwischen bei Proton Mail gelandet und habe dort einige neue Zugänge frisch angelegt. Da ich für Dokumente aber weiterhin gerne Google Docs nutze, steht als nächster Schritt an, das auch einmal ernsthaft mit Proton Drive/Docs zu probieren.

📁 Dropbox – größtenteils erledigt

Statt Dropbox nutze ich inzwischen weitestgehend einen eigenen Raspberry Pi mit OpenMediaVault als NAS, inklusive automatisiertem Rsync-Backup. Ganz vollständig ist der Umzug noch nicht – es liegen noch einige ältere Daten bei Dropbox, aber es kommt nichts Neues mehr dazu. Ein klarer Fortschritt gegenüber der Ausgangslage.

🎙️ Ein neues Thema: Diktieren statt Tippen

Eine Sache, die im ursprünglichen Artikel noch gar nicht vorkam: Seit einiger Zeit schreibe ich viel lieber per Sprache als per Tastatur – auch als kleine Unterstützung gegen eine Aphasie, mit der ich zu tun habe. Dafür nutze ich aktuell Wispr Flow, ein Diktier-Tool, das gesprochene Sprache in Echtzeit in Text umwandelt. Das Problem: Es gibt bislang keine Linux-Version, nur Windows und Mac.

Für mein Linux-Notebook suche ich daher nach einer Alternative – und bin auf OpenWhispr gestoßen: ein quelloffenes Diktier-Tool, das auf Windows, Mac und Linux läuft und die Spracherkennung komplett lokal auf dem eigenen Rechner verarbeitet, ganz ohne Cloud-Anbindung. Das passt sogar ausgesprochen gut zum Thema dieses Artikels – ein Werkzeug, das nicht nur plattformunabhängig ist, sondern auch technisch unabhängig von fremden Servern arbeitet. Ich werde es in den kommenden Wochen ausprobieren und berichte dann, wie gut es sich im Alltag schlägt.

Zwischenfazit nach einem halben Jahr

Die ehrliche Bilanz: Bei Amazon und Dropbox bin ich weit gekommen, mit kleinen, bewussten Kompromissen. Bei Google ist die Suchmaschine und der Browser gelöst, das Betriebssystem ist auf Linux umgestiegen – aber die Passwörter bleiben die große, zeitaufwändige Baustelle, genau wie ich es vor einem halben Jahr schon befürchtet hatte. Und ein neues Werkzeug – das Diktieren per Sprache – hat sich als zusätzliches, unerwartetes Feld dazugesellt, bei dem sich Unabhängigkeit und praktischer Nutzen gerade besonders gut verbinden lassen.

Der Weg zur digitalen Souveränität bleibt, was er von Anfang an war: kein Sprint, sondern ein langer, stetiger Weg mit kleinen Etappensiegen.